Wassergewinnungsbereiche

Historie

Seit Beginn der Wasserversorgung der Stadt Bamberg im Jahr 1874 ist diese geprägt von Mangelsituationen und dem Kampf um die Erschließung neuer Trinkwasservorkommen. Vom ersten Sammelbrunnen am Geyerswörth fand bis heute eine rasante Entwicklung statt, um den steigenden Wasserbedarf Bambergs zu decken. So gab es 1874 ganze 57 Hausanschlüsse in Bamberg, dem heute rund 13.000 Anschlüsse mit einem Jahresverbrauch von knapp 6 Millionen m³ Trinkwasser gegenüberstehen.

Ein „Meilenstein" im Verlauf der langjährigen Versorgungszeit war sicherlich der heiße Sommer 1911, der zu einem Wassernotstand geführt hat. Aus diesem Grund ging am 1. September 1914 das Wasserwerk Stadtwald in Betrieb. Aber bereits 1926 wurde im Wasserverbrauch die 2 Millionen m³ Marke überschritten, so dass die untere Fassung Stadtwald nochmals um einige Brunnen erweitert wurde. Durch die hohen Entnahmemengen kam es zu vermehrtem Eisen und Manganausfall, so dass die Aufbereitung dementsprechend modifiziert werden musste. Gleichzeitig sanken durch die Überentnahme die Pegelstände in den Brunnen dramatisch ab. So kam es im Sommer 1929 zeitweilig zu einer kompletten Sperrung der Wasserabgabe in das Stadtnetz.

Versickerungsbecken im Einzugsbereich der Brunnen Stadtwald hoben den Grundwasserspiegel ab dem Jahr 1933 wieder etwas an und die Versorgungssituation entspannte sich. Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Fassungsbereich der Hirschaider Büsche mit den bis heute bestehenden 32 Flachbrunnen erschlossen. Trotz dieser Neuerschließung kam es, im Zuge des Wirtschaftswunders in den 1950er Jahren zu einem erneuten Absinken der Grundwasserstände, so dass im Jahr 1953 der Fassungsbereich der Buger Wiesen und 1958 die Fassung der Gereuther Wiesen in Betrieb genommen wurden.

Zug um Zug wurden mit den gesteigerten Lieferleistungen auch das Rohrnetz und die Hochbehälter ausgebaut. Zusätzlich wurden im Jahr 1962 zwei Horizontalbrunnen niedergebracht, die Uferfiltrat aus der Regnitz entnehmen. Der weiterhin steigende Wasserverbrauch führte im Jahr 1971 zu einem Liefervertrag mit der Fernwasser Oberfranken (FWO), so dass ab dem Frühjahr 1975 zusätzlich 1,3 Mio. m³/Jahr aus der Ködeltalsperre bezogen wurden. Mit diesem Wasser wurde über den Hochbehälter Kunigundenruh der Ostteil der Stadt versorgt.

Im Zuge der Wiedervereinigung und einer damit verbundenen neuen ICE-Trassenplanung der Bahn wurde im Jahr 2003, nach langen Verhandlungen mit der Bahn, zur Sicherstellung der Versorgung der Stadt Bamberg mit dem Lebensmittel Nummer 1 das Fernwasserkontingent auf 1,9 Millionen m³/Jahr erhöht. Durch die erneute Mengenerhöhung des Fernwassers wird seit diesem Zeitpunkt das Fernwasser aus dem Donau-Lech Gebiet geliefert.

Geologie/Einzugsbereich

Gelegen im niederschlagsarmen Oberfranken (500 - 700 mm Jahr), im sogenannten fränkischen Schichtstufenland, beträgt die Grundwasserneubildung nur ca. 13% des jährlich fallenden Niederschlages. Das restliche Regenwasser wird oberflächlich über die Flüsse Regnitz und Main abgeleitet. Die geologischen Einheiten des Feuerletten (Tonstein) und des Burgsandstein fallen flach nach Nordosten ein. In diesen Gesteinen hat sich die Regnitz vor einigen tausend Jahren ein Becken geschaffen und mit Kiesen und Sanden verfüllt. Das Wasser aus dieser geologischen Einheit, dem Quartär, wird in den Brunnen gefördert und nach der Aufbereitung in das Versorgungsnetz eingespeist.

Profilschnitt

Die Brunnen erreichen eine Tiefe von maximal 12 m und befinden sich in diesen gut durchlässigen und wasserführenden Lockergesteinen. Dies hat zum einen den großen Vorteil, dass sich das Grundwasser in sehr kurzen Zeiträumen neu bildet, birgt aber zum anderen die Gefahr, dass durch Einträge oder punktuelle Verschmutzungen der Grundwasserkörper dauerhaft geschädigt werden kann. Wir befinden uns hier in einem sehr anfälligen und sensiblen „Geosystem", in dem der Grundwasserkörper nur durch die Ausweisung eines Wasserschutzgebietes auch für zukünftige Generationen nachhaltig geschützt und genutzt werden kann.

Gewinnungsanlagen

Die Förderung des Rohwassers aus 107 Brunnen erfolgt zu 82 % über sogenannte Heberleitugen, in denen das Wasser mittels einer Vakuumpumpe über den gesamten Fassungsbereich abgesaugt wird. Der große Vorteil dieser Methode liegt zum einen in seiner Energieeffizienz und zum anderen in seiner aquiferschonenden Bewirtschaftung des Grundwasserkörpers. Würde nämlich die Entnahmemenge zu einer übermäßigen Absenkung im Brunnen führen, reißt das Vakuum durch das Ansaugen von Luft ab und die gesamte Fassung liefert kein Wasser mehr. Der Nachteil dieser Methode liegt darin, dass man die Grundlast, aber nicht den Spitzenbedarf über die Heberleitungen abdecken kann.

Aufbereitung des Rohwassers

Das aus den Brunnen geförderte Rohwasser wird in den 3 Wasserwerken Stadtwald, Buger Wiesen und Gereuther Wiesen aufbereitet und als Reinwasser in das 280 km lange Versorgungsnetz eingespeist. In der Druckzone Gaustadt wird das Wasser der drei Tiefbrunnen TB II bis TB IV aus den Keuperbrunnen ohne Aufbereitung direkt in das Netz eingespeist. Durch die gute Qualität des Rohwassers beschränkt sich die Aufbereitung auf die Eliminierung von Eisen und Mangan aus dem Rohwasser. Zusätzlich erfolgt am Ende der Aufbereitung und vor der Netzeinspeisung eine Sicherheitschlorung des Reinwassers.

Aktuelles

Für interessierten Gruppen und Vereine bieten wir Führungen durch unser Wasserwerk Stadtwald an. Dabei durchlaufen Sie den Prozess von der Förderung des Wassers im Brunnen über die Aufbereitung des Rohwassers bis hin zur Einspeisung des Reinwassers in das städtische Versorgungsnetz.

Kontakt
Georg Spörlein
Telefon 0951 77-5214

E-Mail: georg.spoerlein@stadtwerke-bamberg.de