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Azubiprojekt: Ein neuer Trinkwasserbrunnen für die ERBA-Insel

Jedes Jahr engagieren wir, die Auszubildenden der Stadtwerke, uns zusammen für ein soziales Projekt. 2022 haben wir einen öffentlichen Trinkwasserbrunnen geplant, entwickelt und mit unseren eigenen Händen gebaut. Am beliebten ERBA-Park in unmittelbarer Nähe des großen Spielplatzes können Parkbesucherinnen und -besucher jetzt kostenfrei frisches Trinkwasser abfüllen und sich erfrischen.

Suche eines Standorts

Ein Trinkwasserbrunnen kann nicht überall stehen. Gemeinsam mit den Trinkwasserexperten um Georg Spörlein mussten wir zunächst die Voraussetzungen für einen optimalen Standort ermitteln und prüfen. Der Platz muss zum einen gut für die Menschen, die in nutzen möchten, erreichbar sein und sich zum anderen gut ins Stadtwerke-Wassernetz eingliedern lassen. Vor allem Letzters stellte sich als schwieriger heraus als wir vorher gedacht haben. Denn auf einem Gebiet wie der ERBA-Insel müssen gewisse Schutzzonen eingehalten werden und es sind bereits Wege, Bänke und Spielplätze angelegt.

Und auch unter der Erdoberfläche lauern Einschränkungen: Viele weitere Leitungen, die beim Bau nicht beschädigt werden durften, grenzten den Standort weiter ein. Schlussendlich hat der Anschluss geklappt, auch wenn wir für die Wasserzuleitung doch tiefer graben mussten als wir angenommen hatten. Die Bodenpläne haben uns bei der Umsetzung sehr geholfen. Die Wasserleitungen lagen auch tatsächlich dort, wo sie im Plan verzeichnet sind.

Kreativer Start ins Projekt

Wir Auszubildenden durften unseren Ideen erst mal freien Lauf lassen. Natürlich hatte jeder eine andere Vorstellung, wie der Brunnen am Ende aussehen sollte. Der begleitende Künster Erik von Brandt hat uns gezeigt, wie wir an die Sache herangehen müssen und uns die notwenigen Techniken beigebracht: Erst mal hat jeder mit Bleistift und Papier eine Skizze erstellt. Anschließend haben wir unsere Skizzen mit Ton in eine dreidimensionale Form gebracht. Diese ganz unterschiedliche Modelle haben wir am Ende Herrn von Brandt vorgestellt. Dabei hat jeder seinen Gedankenprozess erklärt und beschrieben, wie das Wasser im realen Brunnen später fließen sollte. Wir haben auch diskutiert, welche Werkstoffe für den Brunnenbau am besten geeignet wären; da gibt es nämlich eine ganze Menge zu beachten und nicht jedes Material kann verwendet werden.

Die Entscheidung

Weiter ging es dann in kleineren Gruppen. Bei den folgenden Projektterminen haben wir unsere Entwürfe weiter ausgearbeitet und entschieden uns innerhalb der Kleingruppen jeweils für ein Modell, welches wir im nächsten Schritt in einem vergrößerten Maßstab aus Ton modellierten. Dabei darf man nicht vergessen, dass wir an dem Projekt neben unserer normalen Arbeit und Berufsschule arbeiteten, weshalb wir Ende April dann schließlich unsere Modelle fertiggestellt hatten. Einige Ideen schafften den Sprung in die finale Auswahlrunde. Letztendlich haben wir uns per Abstimmung für das Konzept eines Sitzkreises um den Brunnen entschieden. Das Konzept überzeugte alle, denn damit werden gleichzeitig Sitzmöglichkeiten und ein Ort zum Verweilen geschaffen. In der Mitte ist der Brunnen angeordnet, sodass jede und jeder Zugang zur Trinkwasserquelle hat.

"Ich wollte einen praktischen Brunnen bauen, bei dem man sich hinsetzen und sein Wasser trinken kann."

Reif für die Insel

Ende Mai sind wir von den Hallen der Stadtwerke am Margaretendamm schließlich ins Freie auf der ERBA-Insel umgezogen. Jetzt rückten die Bagger an. Für das Abwasserrohr des Trinkwasserbrunnens musste gegraben werden und auch der Trinkwasserzähler wurde eingesetzt. Kurze Zeit später haben wir dort unsere Baustelle eingerichtet. An diesem Punkt konnten wir uns noch gar nicht so recht vorstellen, welche schweißtreibende Arbeit noch vor uns liegen würde.

Von der Bearbeitung der Steine bis zu Fertigstellung

Beim Material haben wir uns für einen einheimischen Sandstein entschieden, der aus einem fränkischen Steinbuch geliefert wurde. Genauer gesagt wurden mehrere geliefert. Dabei wog jeder Stein um die 200 kg und wartete auf unsere Bearbeitung. Erik von Brandt hat uns in einem Crash-Kurs das Einmaleins der Steinbearbeitung von Hand beigebracht. Mit Meiseln, Raspeln und Zahneisen ging es ans Werk, eine wirklich sehr anstrengende Arbeit, die viel Kraft kostet.

Bei der Steinbearbeitung lief nicht immer alles glatt. Hier und da platze auch mal etwas zu viel vom Stein ab, aber wir fanden zum Glücke immer eine passende Lösung. Schließlich ist der Trinkwasserbrunnen eben auch echte Handarbeit, was man auch sehen darf. Mit Mörtel haben wir die bearbeiteten Steine dann in der richtigen Lage fixiert und zu einem Ganzen zusammengefügt. Zuletzt haben wir noch das Wasserrohr, Abflussrohr und der große Beckenstein an die richtige Position gesetzt.

Der erste Test verlief zum Glück sehr gut: Als wir das erste Mal Wasser durch den Brunnen laufen haben lassen, war alles richtig angeschlossen und funktionierte einwandfrei. Bevor aus dem Brunnen jedoch ein Trinkwasserbrunnen wurde, mussten unsere Kolleginnen und Kollegen vom Wasserwerk erst noch die notwendigen Proben entnehmen. Alle Werte waren erwartungsgemäß im grünen Bereich und der Eröffnung stand somit nichts mehr im Wege.

Der Brunnen läuft

Am 9. August 2022 war es dann endlich soweit. Wir haben den Trinkwasserbrunnen auf der ERBA-Insel eröffnet. Alle Azubis, die sich nicht im Sommerurlaub befunden haben, haben sich au der ERBA-Insel getroffen und auch unser Geschäftsführer Dr. Michael Fiedeldey war dabei. Er durfte für uns das offizielle Messingschild "TRINKWASSER / DRINKING WATER" anbringen und die ersten Becher Trinkwasser zapfen. Wir Abzubis haben ihm von unserem ganzen Bau-Prozess erzählt und konnten uns auch über andere Themen austauschen. Unser Projekt kam damit zu einem erfolgreichen Abschluss und wir sind stolz, in Zukunft von unserem eigenen Trinkwasserbrunnen trinken zu können.

"Es war zwar oft eine angstrengende Arbeit, vor allem auch wegen der Hitze, aber es war immer sehr lustig und wir haben viel gelernt. So ein Projekt stärkt den Zusammenhalt und das machen wir jedes Jahr."

Sofort großer Zuspruch bei Eltern und Kindern

Besonders gefreut hat uns der große Zuspruch von den Menschen vor Ort. Viele Eltern, die mit Ihren Kindern auf dem Spielplatz spielten, aber auch Passantinnen und Passanten kamen vorbei und haben den Brunnen gleich benutzt und uns für unser Werk gelobt. Wir haben Trinkflaschen, Trinkbecher, Seifenblasen und Basketballe verteilt und viele dankbare Menschen erlebt. Die anstrengende Arbeit hat sich also schon jetzt bezahlt gemacht.

Wo Ihr in Bamberg noch kostenlos Trinkwasser zapfen könnt, erfahrt Ihr auf Trinkwasserbrunnen-Seite der Stadtwerke Bamberg.

Tom Sauer und Lisa Kellner

Auszubildende als Industriekaufleute bei den Stadtwerken und Co-Projektleiter beim Brunnenbau.