Grünes Wartehäuschen in Bamberg

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Fette Henne, glückliche Insekten: Grünes Wartehäuschen in Bamberg

Im Oktober haben die Stadtwerke Bamberg gemeinsam mit der DSM Deutsche Städte Medien GmbH in Bamberg das erste Wartehäuschen in Bamberg mit einem Gründach errichtet - und damit das erste in ganz Bayern. Wieso eine so kleine Fläche einen großen Unterschied für das Mikroklima machen kann, wie eine Begrünung überhaupt abläuft und was für die Zukunft in Bamberg geplant ist, erfahren Sie hier.

Viele kleine Leute, die an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern.

AFRIKANISCHES SPRICHWORT

Gründach auf Bushaltestelle in Bamberg

Genau diesem Prinzip folgt die Begrünung der Wartehäuschen in der Bamberger Innenstadt: Jedes Wartehäuschen hat etwa 6 Quadratmeter Dachfläche. Für sich genommen klingt das nicht viel und doch kann es einen großen Unterschied für die Innenstadt machen: “Jede begrünte Wartehalle bedeutet einen weiteren kleinen Schritt zur Verbesserung des Klimas in einer Stadt. Neben optischen Zwecken sollen sie zur Verbesserung der Luftqualität beitragen und insektenfreundliche Bereiche schaffen”, so fasst Alexander Stotz, Vorsitzender der Geschäftsführung der DSM Deutsche Städte Medien GmbH und CEO Ströer Media Deutschland GmbH, den Zweck der Wartehäuschen zusammen.

Welche positiven Effekte hat ein Gründach?

  • Bei Regenfällen werden ca. 180 Liter Wasser in der Dachbegrünung aufgenommen. Dadurch wird die Kanalisation gerade bei Starkregen entlastet.
  • Die Dachbegrünung dient als Bienenweide und ist besonders insektenfreundlich. Die Pflanzen sind dabei extra so gewählt, dass die Insekten fast rund ums Jahr hier Nahrung finden (siehe unten).
  • Durch Verdunstungskälte reduziert die Grünfläche “Hitzeinseln” in der Stadt und trägt damit im Sommer zu einem angenehmeren Klima bei.
  • Die Pflanzen binden Feinstaub und CO2 in der Luft.
  • Das Dach ist auch optisch ein echter Hingucker.

Insgesamt bringt diese kleine Fläche also jede Menge Vorteile mit sich. Aber welche Pflanzen wurden denn genau gewählt?

Die Fette Henne – vielseitiges Gewächs mit Mehrwert

Alexander Stotz, dessen Unternehmen die Idee zu den grünen Dächern hatte, weiß wie schwierig die Auswahl der richtigen Pflanzen war: “In den vergangenen Jahren haben wir unterschiedliche Pflanzenarten zur Begrünung getestet. Dafür eingesetzte Pflanzen müssen eine gewisse Widerstandsfähigkeit aufweisen, denn sie sind sowohl intensiver Sonneneinstrahlung als auch längeren Trockenperioden ausgesetzt. Hier haben sich Sedum-Arten als besonders geeignet herausgestellt. Sedum gehört zu den Dickblattgewächsen und ist auch unter dem Namen „Fetthenne“ bekannt. Die dickfleischigen Blätter speichern Wasser und kühlen die Luft durch Verdunstung. Die verschiedenen Arten blühen zu unterschiedlichen Jahreszeiten, so dass das begrünte Dach bis spät in den Herbst Nahrung für Insekten liefern kann. Außerdem brauchen die Pflanzen kaum Pflege.”

Pro Wartehäuschen werden 8 bis 12 verschiedene Arten von Sedum gepflanzt.

Wie das Gründach aufs Wartehäuschen kommt

Auf dem Dach wird eine sogenannte Drainageschaummatte aufgebracht. Diese besteht aus recycelten Materialien und dient als Isolation, aber auch als Wasserspeicher. Darauf kommt eine Schicht aus Bimsstein-Substrat als Unterlage für die Pflanzen. Danach kann direkt gepflanzt werden.

“Die begrünte Wartehalle in Bamberg besteht aus drei Feldern, die jeweils etwa 60 Liter Wasser aufnehmen können. Trotz Wasserspeicherung bleibt die Dachbepflanzung relativ leicht: Bei maximaler Wassersättigung wiegt sie nur etwa 50 Kilogramm pro Quadratmeter”, so Alexander Stötz.

Und wie geht es in Bamberg weiter?

Das eine Wartehäuschen ist erst der Anfang: In den kommenden 5 Jahren werden in Bamberg 32 weitere Wartehäuschen mit grünem Dach und Mehrwert für die Umwelt aufgestellt. Sie ersetzen alte baufällige Wartehäuschen.

Dadurch kommen 230 Quadratmeter Grünfläche in die Innenstadt. Das entspricht der Fläche von zwei durchschnittlichen Einfamilienhäusern. Bei Starkregen können dann alle Gründächer gemeinsam rund 6.000 Liter Wasser auffangen und bei Hitze durch Verdunstung wieder abgeben. Unzählige Insekten finden hier zusätzliche Nährung und Feinstaub sowie CO2 werden gebunden.

Durch diese “vielen kleinen Dinge” kann sich also ein großer Effekt für den Klimaschutz, die Insekten und das Mikroklima in der Stadt ergeben.

Astrid Rosenberger

Die Unterfränkin leitet die Redaktion bei den Stadtwerken. Zwischen Buchstaben, Punkt und Komma fühlt sie sich genauso wohl wie auf dem Mountainbike, der Yogamatte oder an der Boulderwand.