ZOB Bamberg 1988 Passanten warten auf ankommenden Bus

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Wie der ZOB alles veränderte – Fragen an den ehemaligen Leiter des Verkehrsbetriebs

Die Errichtung des ZOB an der Promenade betrachtet Max Brehm als seine größte Leistung während seiner Zeit bei den Stadtwerken. Im Interview erzählt er von den Herausforderungen während seiner Tätigkeit und gibt eine Zukunftsprognose für den ÖPNV ab.

Gruppenbild Verabschiedung Wolfgang Pohle

Max Brehm

Max Brehm, zum Zeitpunkt des Interviews 81 Jahre alt, leitete von 1967 bis 2004 den Verkehrsbetrieb der Stadtwerke Bamberg.

Ist es zutreffend, wenn ich Ihre Tätigkeit als Leiter des Verkehrsbetriebes der Stadtwerke als eine sehr spannende, aber auch überaus fordernde Zeit beschreibe?

Ende der sechziger Jahre hat ein Stadtrat den Satz formuliert: „Die Stadtwerke gehen am Krückstock!“ Dazu gab es verschiedene Meinungen. Fakt war, dass zu Beginn meiner Tätigkeit vieles im Argen lag. Zum Glück verhielt es sich so, dass ich vom Werkleiter Mees reichlich Gestaltungsfreiheit zugestanden bekam. Dazu herrschte ein gedeihliches Miteinander vor, gearbeitet wurde im Team. Das gestattete mir, die vielen verschiedenen Aufgaben beherzt anzugehen. So gesehen war meine Tätigkeit durchaus spannend, aber auch fordernd. Hinzufügen möchte ich: Als ich sah, dass ich etwas erreichen und umsetzen konnte, spornte mich das weiter an.

Konkret: Vor welchen Herausforderungen standen Sie?

Es gab so viele zum Teil wirklichkeitsferne Pläne! Durchbruch von der Löwenbrücke Richtung Bahnhof, Überdecken der Regnitz für Parkflächen, Bau von kleinen U-Bahn-Strecken Richtung Lange Straße, Seilbahn auf den Michaelsberg. Dabei ging es vorrangig darum, die Infrastruktur für den Busbetrieb sauber umzusetzen. Da hatte ich es in der Georgenstraße noch mit Relikten aus der Straßenbahn-Ära zu tun. Nach und nach konnten Unterstellhallen, Werkstatt und Betriebsgebäude errichtet werden und das im laufenden Betrieb.

Oder denken Sie an die Errichtung der Fußgängerzone im Zentrum. Das erforderte eine umfassende Umorganisation, da zum Beispiel eine Hauptverkehrsachse mit der Fahrt durch den Torbogen des Alten Rathauses wegbrach.

Eine Herausforderung war es auch, als EDV und Computer Einzug in die Betriebsabläufe hielten. Ich erinnere mich noch, selbst Programme geschrieben zu haben.

Woran denken Sie am liebsten zurück?

An meinen größten Wurf, der mir mit dem ZOB gelang. Schon 1969 war der erste Plan dafür in der Schublade. Zu früh, wie sich herausstellte. Hauptaugenmerk damals war, Parkraum für Autos zu schaffen, die von Jahr zu Jahr mehr wurden.

Mit einem Gutachten Ende der Siebziger kam Schwung in die Sache. 1988 konnte dann der ZOB eingeweiht werden – ein Erfolgsmodell, wie sich nicht nur an den danach steigenden Fahrgastzahlen ablesen lässt. Vertreter von Stadtwerken aus ganz Deutschland kamen nach Bamberg, um zum Beispiel die Gestaltung der Haltestellen nach dem Sägezahn-Prinzip zu studieren.

Gab es etwas Kurioses, das Sie heute noch schmunzeln lässt, wenn Sie daran denken?

Kinder sind vom Bus fasziniert. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Was glauben Sie, wie Kinderaugen leuchten, wenn sie einmal auf dem Fahrersitz Platz nehmen dürfen? Das ist wirklich bezaubernd.

Mädchen steht vor Bus mit selbstgestaltetem Motiv

Was schätzen Sie mit Ihrem Erfahrungshorizont: Welche Rolle wird der ÖPNV im Mobilitätsgefüge der Stadt Bamberg künftig einnehmen?

Die Stadt hat ein sehr gutes Bus-Angebot. Das wissen die Bambergerinnen und Bamberger auch zu schätzen. Wichtig erscheint mir, dass die Taktung gleichmäßig ist und das Nummernprinzip klar bleibt. Je einfacher, desto besser für alle Fahrgäste. Den Betrieb mit Wasserstoff halte ich in Zukunft für die ergiebigste und sauberste Lösung.

Das große Problem bleibt die Anbindung des Landkreises. Hier muss noch einiges korrigiert werden, bis der ÖPNV auch in der Fläche möglichst rund läuft.

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Gerhard Beck

Geboren in Mittelfranken hat es den Journalisten bereits in jungen Jahren des Berufs und der Liebe wegen nach Bamberg verschlagen. Seine Begeisterung für die Stadt und ihre Geschichte hat er kurzerhand zum Hobby gemacht und steckt damit bei Führungen durchs Welterbe regelmäßig seine Gäste an. Für die Stadtwerke Bamberg hat er sich in ein sprichwörtlich bewegendes Kapitel der Geschichte gewühlt und hat Wissenswertes und Kurioses zum öffentlichen Nahverkehr hervorgegraben. Das teilt er im Jubiläumsjahr hier im Stadtwerke-Blog sowie bei Führungen durchs Busdepot.