Gasleitungen mit Ventil
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Krieg in der Ukraine: Wie gesichert ist die Gasversorgung?

Der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine ist völkerrechtswidrig, die Situation in der Ukraine eine humanitäre Katastrophe. 

Ausgelöst durch den grausamen Krieg sorgen sich die Menschen in Deutschland mehr denn je um die Versorgungssicherheit mit Energie. Das Gas steht besonders im Fokus, weil mehr als die Hälfte des in Deutschland verbrauchten Gases aus Russland stammt. Wir haben für Sie die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengefasst.

Stand: 30.3.22

Fragen und Antworten

Das Wichtigste vorab: Aktuell gibt es keine Probleme bei der Versorgungssicherheit mit Strom und Gas. Allerdings ist die Lage beim Gas sehr angespannt, da derzeit mehr als 50 Prozent des in Deutschland verbrauchten Gases aus Russland kommen. Zwar sind momentan die Lieferströme noch intakt und Russland liefert vertragsgemäß. Gleichzeitig sind die Gasspeicher in Deutschland zu rund einem Viertel (26,55 %; Stand: 30.03.22) ausgelastet, was einem saisonüblichen Füllstand entspricht. Es ist zu erwarten, dass die Gasmengen für diesen Winter ausreichen sollten.

Link zu den aktuellen Füllständen

Allerdings müssen wir schon an den nächsten Winter denken. Derzeit ist ungewiss, ob es gelingt, die Gasspeicher im Sommer ausreichend für die nächste Heizperiode zu füllen. Die Bundesregierung hat hierfür gemeinsam mit den EU-Ländern vorsorglich mehrere kurzfristige Sicherheitsmechanismen aktiviert, wie den garantierten Mindestfüllstand für die nationalen Gasspeicher und die Steigerung der LNG-Flüssiggasimporte aus Förderländern wie den USA, Australien und Katar.

Die Entwicklungen im Ukraine-Krieg und die daraus resultierenden Folgen für die Energieversorgung in Europa sind schwer vorhersehbar. Fakt ist aber, dass Deutschland von russischen Energie-Importen abhängig ist und eine Reduzierung bzw. ein (Teil-)Ausfall der Liefermengen spätestens in der Heizperiode 2022/2023 zu massiven Problemen in der Wärmeversorgung führen könnte. 

Aktuell liegen konkrete und ernst zu nehmende Hinweise vor, dass Deutschland in eine Verschlechterung der Gasversorgungslage kommen wird. Mit der Ankündigung des russischen Präsidenten, dass Gaslieferungen in Zukunft in Rubel zu bezahlen sind, ist eine Auswirkung auf die Gaslieferungen nicht auszuschließen.

Update 29. März: Die Staaten der G7-Gruppe haben abgelehnt, russische Gas-Rechnungen in Rubel zu begleichen. Die G7-Minister waren sich einig, dass die russischen Forderungen nach einer Zahlung in Rubel "ein einseitiger und klarer Bruch der bestehenden Verträge" sind. Die russische Regierung hat daraufhin die Drohung eines Lieferstopps aufrecht erhalten, will aber eine endgültige Antwort der EU abwarten und dann die nächsten Schritte festlegen.

Update 30. März; 14:05 Uhr: Die Bundesregierung hat entsprechend dem Notfallplan Gas die "Frühwarnstufe" ausgerufen. Leichte Entspannung erfolgt durch die Ankündigung des russischen Präsidialamts, die Verpflichtung zur Rubel-Zahlung nicht ab dem morgigen Donnerstag, sondern erst schrittweise einführen zu wollen.

Sowohl die Bundesregierung als auch die Energiewirtschaft gehen davon aus, dass durch die bereits eingeleiteten Maßnahmen Versorgungsengpässe vermieden werden können. Dennoch greifen im Falle etwaiger Versorgungsengpässe gesetzlich geregelte Notfallpläne.

In diesen Notfallplan sind Haushaltskunden, soziale Dienste und Einrichtungen (Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheime) sowie kleine und mittlere Unternehmen aus dem Sektor Gewerbe, Handel und Dienstleistungen besonders geschützt. Ihrer Energieversorgung wird oberste Priorität eingeräumt. 

Der Notfallplan sieht vor, dass zunächst im Rahmen vertraglich geregelter Abschaltvereinbarungen die Erdgasbelieferung von Industriekunden gedrosselt bzw. deren Energiebedarf auf andere Energieträger umgestellt wird. In einem nächsten Schritt werden Industriekunden aufgefordert, ihren Gasverbrauch umgehend einzuschränken („Systemkaskade“, § 16 EnWG). Wenn nötig, werden Kunden in einem dritten Schritt gezwungen, ihren Erdgasbedarf zu reduzieren oder gar einzustellen. Die Vorgaben hierfür erlässt die Bundesnetzagentur als sogenannter "Bundeslastverteiler". Die jeweiligen Netzbetreiber sind in diesem Notfall gezwungen, die Vorgaben umzusetzen - wenn nötig mit polizeilicher Unterstützung.

Nach wie vor gibt es aktuell keine Versorgungsengpässe. Dennoch hat das Bundeswirtschaftsministerium am 30. März die "Frühwarnstufe" des Notfallplans Gas ausgerufen. Dieses dient im Wesentlichen dazu, Vorsorgemaßnahmen zu erhöhen, um für den Fall einer Eskalation seitens Russlands gewappnet zu sein. Die Erdgasversorgung unserer Kunden ist aktuell nicht gefährdet. Allerdings sind alle Gasverbraucher - von der Wirtschaft bis zu Privathaushalten - aufgefordert, ihren Verbrauch so gut wie möglich zu reduzieren.

Wir haben Ihnen effektive Heizspartipps zusammengestellt

Die Stadtwerke Bamberg beziehen ihr Gas von einer mit weiteren regional verwurzelten Stadtwerken gegründeten Kooperationsgesellschaft. Diese kauft das Gas mit mehreren Jahren Vorlauf nicht bei einem, sondern bei einer Vielzahl von Handelspartnern und Großhändlern ein. Durch die Streuung auf mehrere Vorlieferanten mindern wir das Risiko von Lieferengpässen bestmöglich ab. Gleichzeitig wollen wir durch diese langfristige und vorausschauende Einkaufsstrategie unsere Kunden vor kurzfristigen Preisausschlägen schützen, die sie aktuell von der Tankstelle kennen oder bei vermeintlichen "Billiganbietern" im Internet erleben.

 

Durch unsere langfristige Einkaufsstrategie können wir unseren Kunden langfristig stabile Preise fürs Gas bieten. Wir halten uns an unsere Preisgarantien, die wir unseren Kunden gegeben haben. Wie sich die Gaspreise im Jahr 2023 und später entwickeln, darüber können wir auch heute noch nichts sagen.

Unabhängig vom Krieg in der Ukraine und die Sorgen der Energieversorgung aus Russland ist die Wärmewende in Deutschland bereits eingeleitet. Ab 2025 dürfen Öl- und Gasheizungen nicht mehr als alleiniges Heizgerät eingebaut werden: Das gilt in Neubauten und in Bestandsgebäuden. Sollte bei Ihnen also ein Austausch anstehen, macht es Sinn, z. B. mit einem Energieberater einen individuellen Heizungssanierungsplan für ihr Haus zu erarbeiten und zu besprechen, welche Heiztechnik für Sie am sinnvollsten ist. Auch unsere Kolleginnen und Kollegen stehen Ihnen gerne mit Tipps und Infos zur Seite.

Mit Ausrufen der "Frühwarnstufe" des nationalen Notfallplans Gas sind alle Hauslate und Unternehmen aufgefordert, ihren Verbrauch so gut wie möglich zu reduzieren. Tatsächlich hilft jeder mit, wenn er bewusst Energie spart: die Heizung runter dreht, gewusst auf seinen Stromverbrauch achtet und mit dem Rad oder mit dem Bus fährt statt mit dem Auto. Das spart Energie und senkt die persönlichen Kosten.

Zu unseren Heizspartipps