Gasleitungen mit Ventil
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Krieg in der Ukraine: Wie gesichert ist die Gasversorgung?

Der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine ist völkerrechtswidrig, die Situation in der Ukraine eine humanitäre Katastrophe. 

Ausgelöst durch den grausamen Krieg sorgen sich die Menschen in Deutschland mehr denn je um die Versorgungssicherheit mit Energie. Das Gas steht besonders im Fokus, weil mehr als die Hälfte des in Deutschland verbrauchten Gases aus Russland stammt. Wir haben für Sie die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengefasst.

Fragen und Antworten

Im Moment ist die Gasversorgung in Bamberg gesichert. Es ist ausreichend Gas an den Märkten vorhanden. Dies gilt sowohl für Haushaltskunden und soziale Dienste wie Krankenhäuser als auch für Fernwärme, Stromerzeugung sowie die deutsche Wirtschaft insgesamt. 

Die Lage an den Gasmärkten ist dramatisch. Durch die für die Gasversorgung in Deutschland sehr wichtige Ostseepipeline Nord Stream 1 liefert Gazprom aktuell nur 20 Prozent der möglichen Gasmenge. Sollten die russischen Gaslieferungen über Nord Stream 1 länger auf diesem niedrigen Niveau verharren, ist ein bis November angestrebter Füllstand von 95 Prozent in den deutschen Gasspeichern ohne zusätzliche Maßnahmen nicht erreichbar. Ein solcher Füllstand ist aber notwendig, damit auch über den Winter ein sicherer Betrieb der Gasinfrastruktur in Deutschland weiter gewährleistet ist.

Link zu den aktuellen Füllständen

Unsere Behälter am Margaretendamm sind gefüllt, allerdings sind sie viel zu klein, um einen höheren Bedarf für die Erdgasversorgung hier zu speichern. Im Sommer decken sie den Bedarf der Kunden in unserem Netz für ca. 60 Stunden ab, im Winter aber - je nach Temperatur - gerade mal für rund sechs Stunden. Auch das Leitungsnetz hat ein gewisses Speichervolumen, abhängig vom Bedarf reicht diese Reserve ebenfalls für nur wenige Stunden.

Mit der Ausrufung der Alarmstufe im Notfallplan Gas durch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) steht Deutschland vor einer erheblichen Verschlechterung der Gasversorgungslage. Die Alarmstufe folgt auf die am 30. März 2022 ausgerufene Frühwarnstufe. In der Alarmstufe kümmern sich die Marktakteure primär in Eigenregie um eine Entspannung der Lage. , die Bundesnetzagentur übernimmt noch nicht die Rationierung vorhandener Gasmengen an die geschützten und ungeschützten Verbraucher.  

Verbraucherinnen und Verbraucher sind jetzt besonders aufgerufen, so viel Energie wie möglich einzusparen.

Effektive Heizspartipps

In der jetzt ausgerufenen Stufe zwei des Notfallplans gibt es noch keine staatlichen Eingriffe. Die passieren erst in der Notfallstufe, wenn eine sogenannte Gasmangellage vorliegt. Dann wird es Kundengruppen geben, die besonders geschützt sind - Privathaushalte und soziale Einrichtungen wie Alten- und Pflegeheime, Krankenhäuser. Außerdem gibt es Industrieunternehmen, denen dann Gas durch die Bundesnetzagentur zugeteilt wird. Welche Unternehmen, in welchem Ausmaß dann von Kürzungen betroffen sein werden, ist nicht unsere Entscheidung, sondern die Vorgabe der Bundesnetzagentur.

Die Stadtwerke Bamberg beziehen ihr Gas von einer mit weiteren regional verwurzelten Stadtwerken gegründeten Kooperationsgesellschaft. Diese kauft das Gas mit mehreren Jahren Vorlauf nicht bei einem, sondern bei einer Vielzahl von Handelspartnern und Großhändlern ein. Durch die Streuung auf mehrere Vorlieferanten mindern wir das Risiko von Lieferengpässen bestmöglich ab. Gleichzeitig wollen wir durch diese langfristige und vorausschauende Einkaufsstrategie unsere Kunden vor kurzfristigen Preisausschlägen schützen, die sie aktuell von der Tankstelle kennen oder bei vermeintlichen "Billiganbietern" im Internet erleben.

 

In Folge der Lieferreduzierung aus Russland sind die Großhandelspreise spürbar gestiegen, aktuell betragen sie das sechs- bis achtfache des Mittels der letzten Jahre. Zudem deuten sich massive Steigerungen der Steuern und Abgaben auf Erdgas an, z.B. aus der Rettung des Uniper-Konzerns. Alle Unternehmen und private Verbraucher in ganz Deutschland müssen sich auf deutlich steigende Gaspreise, Steuern und Umlagen einstellen. Eine genaue Höhe kann im Moment noch nicht genannt werden, weil zu viele Rahmenbedingungen noch unklar sind.

  • Aktuell haben die Stadtwerke noch nicht mit Lieferschwierigkeiten von Vorlieferanten zu kämpfen, das heißt, es besteht aktuell keine Notwendigkeit, ausgefallene Mengen für längerfristige Lieferzusagen an die Kunden zu den aktuellen Höchstpreisen auf den Märkten nach zu beschaffen.
     
  • Hingegen werden sich die Preissteigerungen an den Beschaffungsmärkten schon zum 1.10. in den eher kurzfristigen Grund- und Ersatzversorgungstarifen widerspiegeln, die die Stadtwerke an diese Kunden weitergeben müssen. Wir haben alles dafür getan, dass die Preisanpassung vergleichsweise moderat ausfallen wird. Die Stadtwerke werden die betroffenen Kunden in ca. drei Wochen über die genauen Auswirkungen informiert.
     
  • Auch die angesprochenen Steuern um Umlagen werden die Stadtwerke unverzüglich an alle Kunden weitergegeben müssen, sobald sie vom Gesetzgeber festgesetzt worden sind.

Unabhängig vom Krieg in der Ukraine und die Sorgen der Energieversorgung aus Russland ist die Wärmewende in Deutschland bereits eingeleitet. Ab 2025 dürfen Öl- und Gasheizungen nicht mehr als alleiniges Heizgerät eingebaut werden: Das gilt in Neubauten und in Bestandsgebäuden. Sollte bei Ihnen also ein Austausch anstehen, macht es Sinn, z. B. mit einem Energieberater einen individuellen Heizungssanierungsplan für ihr Haus zu erarbeiten und zu besprechen, welche Heiztechnik für Sie am sinnvollsten ist. Auch unsere Kolleginnen und Kollegen stehen Ihnen gerne mit Tipps und Infos zur Seite.

Sparen, sparen, sparen! Das ist jetzt mehr denn je das Gebot der Stunde. Auch wenn der Winter gedanklich noch weit ist: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt zu schauen: Ist die Heizung richtig eingestellt? Wo kann ich meinen Verbrauch optimieren? Jede in Deutschland eingesparte Kilowattstunde wird uns helfen, besser und länger über den Winter zu kommen.

Tatsächlich hilft es auch, bewusst auf den Stromverbrauch zu achten und mit dem Rad oder dem Bus statt mit dem Auto zu fahren. Denn das spart nicht nur Energie, sondern senkt auch die persönlichen Kosten.

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